VON HAUSE AUS NETZWERKERIN

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Steckbrief
Name: Dr. Phoebe Kebbel (47)
Funktion: Managing Partner
Firma: Finsbury Glover Hering
Verein: WMs Frankfurt
Familie: Verheiratet, zwei Kinder (15 und 18)

Vor gut 14 Jahren hat Phoebe Kebbel die Working Moms gegründet. Ihr offizielles Amt hat sie längst abgegeben, allerdings bleibt sie dem Verein eng verbunden. Während das Netzwerk kräftig wächst und an Einfluss gewinnt, ist sie als Partnerin der jüngst fusionierten Kommunikationsberatung Finsbury Glover Hering ein Role Model für viele Kolleg:innen.

Als sie zwei Handvoll Frauen zum ersten Netzwerktreffen einlud, erwartete sie kaum mehr als nettes Beisammensein unter Gleichgesinnten: Phoebe Kebbel hatte zwei kleine Kinder und war Vollzeit in ihren Job zurückgekehrt. Sie wollte sich mit anderen berufstätigen Müttern über die Themen, die ihre neue Lebensphase mit sich brachte, austauschen. Beim ersten Stammtisch waren gut zehn Frauen dabei. Heute gehören gut 600 bundesweit zu dem Kreis.

“Ich hätte nie gedacht, dass wir einen solchen Zulauf haben würden“, sagt Phoebe Kebbel Anfang Januar im Video-Interview. „Es erfüllt mich mit Stolz, wie gut sich das Netzwerk entwickelt hat.” Seit gut 14 Jahren existieren die „Working Moms“, zu der Frankfurter Keimzelle sind 13 weitere Standorte hinzugekommen. Angeschoben hat Phoebe Kebbel die Organisation zusammen mit ihrer Freundin Anke Nestler. Beide sind Mutter etwa gleich alter Kinder und beide kamen gar nicht auf die Idee, ihre beruflichen Ambitionen wegen des Familienzuwachses hintenanzustellen. Phoebe als Beraterin bei einer Kommunikationsberatung, Anke als Partnerin einer Corporate-Finance-Beratung. Allerdings stellten sie fest, dass sie damit in der Minderheit waren: Im Privaten, weil sie selten ihre Nachmittage auf dem Spielplatz verbrachten, genauso wie im Job, weil sie bei abendlichen Telefonkonferenzen und Geschäftsreisen weniger flexibel waren als viele männliche Kollegen und kinderlose Kolleginnen.

Dass sie das Netzwerk professionell aufzogen und auf solide Beine stellten, passt ins Bild: „Phoebe ist die Visionärin, ich eher die rational Strukturierte“, beschreibt Anke Nestler es. Für ihren Frankfurter Zirkel gründeten sie einen Verein und Phoebe stieß weitere Gründungen in anderen Städten an. Bald folgte ein Verband, der die Vereine bundesweit und sogar in der Schweiz bündelt.

Heute haben beide ihren Vereinsvorsitz längst abgegeben – dennoch sind sie stark mit dem Verein verbunden. „Die Working Moms sind mein wichtigstes Netzwerk“, sagt Phoebe, die inzwischen Managing Partner und Teilhaberin der jüngst fusionierten, internationalen Kommunikationsberatung Finsbury Glover Hering ist. „Ich habe mindestens drei wichtige Mandate über Mitglieder des Netzwerkes gewonnen“, erzählt sie. Weil es sich bei den Kunden um ein Unternehmen aus dem DAX handelt und sich hinter einem anderen ein M&A-Projekt verbirgt, wurden auch ihre Kollegen hellhörig. „Seitdem nehmen sie das Netzwerk ernst“, sagt sie lachend.

Über die Jahre haben die Working Moms nicht nur an Mitgliedern, sondern auch an Renommee gewonnen. Etliche der langjährigen Mitglieder sind zu Abteilungsleiterinnen, Partnerinnen und Geschäftsführerinnen aufgestiegen. Mit Birgit Bohle (Deutsche Telekom) sitzt beispielsweise eine Working Mom im Vorstand eines großen deutschen Konzerns. Auch in deutschen und internationalen Aufsichts- und Verwaltungsräten sind inzwischen einige Mitglieder vertreten, darunter Tina Kleingarn (Deutsche Wohnen) und Annette Messemer (u.a. Société Générale). Wenn in Berlin neue Gesetze zu Frauen- und Familienthemen diskutiert werden, sind die Working Moms als Expertinnen geladen. „Ich freue mich sehr über die Qualität unseres Netzwerks“, sagt Co-Gründerin Anke Nestler. „Jetzt müssen wir den Rahmen dafür schaffen, dass die langjährigen Mitglieder am Ball bleiben und zugleich Platz machen für die Jüngeren.“

Phoebe Kebbel trägt ihren Teil dazu bei: Sie hat bereits zahlreiche schwangere Kolleginnen und junge Mütter ins Netzwerk eingeladen. Für männliche Kollegen ist es selbstverständlich geworden, dass sie Elternzeit nehmen und sich um ihren Nachwuchs kümmern. Zugleich tauscht sich die Gründerin auch mit jungen Working-Moms-Mitgliedern aus, um gemeinsame Interessen oder Tätigkeitsbereiche auszuloten. „Phoebe ist eine exzellente Netzwerkerin“, sagt Sabrina Biedenbach, Gründerin des Board Office Biedenbach, einer unabhängigen Beratung für Aufsichtsräte und andere Gremien. „Gegenseitige Empfehlung gehört für uns beide zur Natur eines guten Netzwerks.“ So haben sie sich auch schon gegenseitig unterstützt. „Was Phoebe in meinen Augen auszeichnet, sind ein hoher Qualitätsanspruch, Umsetzungskompetenz sowie Vertraulichkeit.“

Wahrscheinlich würde die Working-Moms-Gründerin die Komplimente in ähnlicher Form zurückgeben. „Manche der Working Moms sind zu meinen engsten Freundinnen geworden“, erzählt sie. Einige trifft sie privat, andere geben ihr Tipps, etwa für die Sommerferien oder Auslandsaufenthalte ihrer Söhne. Ihre Jungs sind so gut wie flügge: Während der Ältere demnächst in Großbritannien studieren möchte, geht der Jüngere dort zurzeit für ein Jahr aufs Internat.

Doch auch unabhängig von Freundschaften würde sie jedes andere Netzwerkmitglied empfehlen, sagt Phoebe. „Weil ich weiß, dass jede Working Mom bereit ist, die Extrameile zu gehen.“ Damit meint sie Engagement, Nachhaltigkeit und Zuverlässigkeit. Attribute, die ihre Freundin Anke Nestler auch ihr zuschreibt: „Phoebe hat unglaublich viel Power und Energie. Bei ihr zeigt sich, dass Erfolg immer gepaart ist mit Einsatzbereitschaft und sehr viel Arbeit.“ An einem Meilenstein in ihrer Karriere kann Phoebe Kebbel jetzt innehalten: Seit 2008 ist sie Teilhaberin der Kommunikationsberatung Hering Schuppener, mit der Fusion zu Finsbury Glover Hering Anfang Januar 2021 ist sie nun Partnerin einer internationalen Firma geworden. Damit ist sie Mitglied des 19-köpfigen globalen Global Partnership Boards und leitet zusammen mit einem Londoner Kollegen die Praxisgruppe Transaktionen und Finanzkommunikation. Die internationale Verantwortung spiegelt die immer stärker vernetzte Medienwelt wider und ist damit die logische Weiterentwicklung ihrer bisherigen Karriere.

„Die Kommunikation internationaler Konzerne macht vor Ländergrenzen keinen Halt“, betont Phoebe. „Deshalb haben wir auch vorher schon eng mit unseren Partnerfirmen in Großbritannien und den USA zusammengearbeitet. Es ist so, als würden wir nach langjähriger Partnerschaft heiraten.“

Stefanie Bilen, Co-Gründerin der Working Moms Hamburg – im Januar 2021